Löwen kehren in Hessens höchste Spielklasse zurück

Am 09.04.2017 machte die Erste Mannschaft der SG Rot-Weiss Babenhausen alles klar. Im dritten Jahr nach dem Oberligaabstieg und zwei Vizemeisterschaften in den beiden Vorjahren gelang mit dem 20. Saisonsieg das Meisterstück. Vielleicht war es sogar gut, dass es nicht in den beiden Jahren zuvor geschah, in die Oberliga zurückzukehren. Das „Gut Ding eben manchmal Weile haben will“ bringt es hier treffend auf dem Punkt.

In den vergangenen Jahren hat sich ein Gerüst an Spielern gebildet, die sich inzwischen zu tragenden Säulen auf und außerhalb des Handballfeldes entwickelt haben. Einstige Jugendspieler der SG haben sich etabliert und geben nun Vieles von dem weiter, was später mal gefordert und gefördert wird. Es geht dabei nicht nur um die „Erste“, denn auch die Abstimmung mit unserer Reserve beinhaltet den gegenseitigen Austausch, um junge Talente voranzubringen und mit den notwendigen Fertigkeiten auszustatten.

Ehemalige Spieler der Ersten sind hier auch wichtige Bausteine in der „Zweiten“ und können ihre Erfahrungen weitergeben. Sie sind somit Eckpfeiler, die – neben Training und Spiel – zum Erfolg in dieser Saison beigetragen haben. Der bereits feststehende Aufstieg der Zweiten Mannschaft in die Bezirksoberliga ist Beweis genug.

Rückblickend gab es neben dem feststehenden Punktabzug sehr prägende Erlebnisse in zwei Spielen, die für mich sowohl emotional als auch teambildend eine enorme Bedeutung hatten und uns meiner Meinung nach den Weg für unseren Erfolg ebneten. Hierzu hole ich noch mal ein wenig aus:

Am 13.11.2016 verloren wir bitter gegen Mitstreiter Pfungstadt mit 32:33 in der Schlusssekunde. In der 50. Minute lagen wir bereits aussichtlos 25:31 zurück und kämpften uns energisch zurück – vergebens. Der Ausgang und Verlauf dieser Partie war der Anfang einer schwierigen Phase. Plötzlich war eine Verunsicherung zu spüren, die es in „unserem“ Plan nie gab. Drei Zittersiege mit einem Tor Unterschied gegen vermeintliche aber kampfstarke „Underdogs“ aus Roßdorf, Reinheim und Stockstadt folgten.

Die Souveränität war plötzlich weg. Die Leichtigkeit verflogen. Und so folgte die nächste Schlappe zu Hause im Derby gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden II. Das Jahr wurde dennoch positiv mit einem 30:23-Auswärtserfolg gegen die HSG Hanau II abgeschlossen. Diese Phase hatte es für alle in sich – insbesondere mental. Doch beim 28:27-Auswärtssieg im Derby bei der HSG Stockstadt/ Mainaschaff, dem Schlusslicht, war es Schlüsselerlebnis Nummer eins, das für dieses Team spricht: Sechs Tore Rückstand in der 39. Minute, Hohn und Spott vom Publikum und eine vielleicht etwas andere Auszeit drehten die Partie. Sekunden vor Ende war es dann ein gehaltener Strafwurf durch Dominik Goder, der somit zwei Punkte festhalten konnte. Es war ein Kraftakt und ein Sieg der Moral.

Wenngleich die darauffolgende Partie gegen Nieder-Roden II verloren wurde und als herber Dämpfer eingestuft werden musste, schafften es die Jungs sich beim 30:23 Sieg in Hanau am letzten Spieltag 2016 zu rehabilitieren. Der auf dem Papier und in der Retrospektive klar erscheinende Erfolg stand aber auch an diesem Tage in 44. Minute beim Stand von 20:17 zu Gunsten der Gastgeber auf der Kippe. Es folgte ein 13:3-Lauf nach zuvor fünf ernüchternden Spielen. Das war Momentum Nummer zwei.

Nicht die Ergebnisse waren es, die in Erinnerung bleiben sollten, sondern zwei ganz besondere Momente, die das Team vermutlich ganz unbewusst konserviert hat. In dieser Zeit hat sich die Mannschaft selbst zur Mannschaft gemacht und einen wahnsinnigen Geist entwickelt.

Der Erfolg in dieser Saison hat viele Väter – und Mütter. Neben dem Fleiß der Spieler war auch die Unterstützung um das Team herum wieder grandios. Rexi, Manni, Nadine, Anna und auch Feli sowie Cem und Christoph haben Arbeiten verrichtet, deren Mehrwert uns vermutlich von den Konkurrenten unterscheidet. Auch unsere Anhänger haben uns in den wichtigen Momenten einen „Kick“ gegeben. In Obernburg beispielsweise war es einfach eine unglaubliche Atmosphäre, die uns zum Sieg geführt hat. Ein spezieller Dank an die „besseren Hälften“ und Familien der Spieler, die das für Landesligaverhältnisse enorme Engagement mit Verzicht auf „Dies und Jenes“ mitgetragen haben.

Zu guter Letzt ein Dank mit doch eher weinenden Augen: Mit Martin, Schlucki und Max verlassen uns drei Spieler, mit ihren eigene Geschichte zu unserem Erfolg beigetragen haben. Max hatte zwei Jahre pures Pech. Verletzungsbedingte Rückschläge und dann doch den Anschluss zu finden, hatte ihm niemand so wirklich zugetraut. Auch Max hatte Zweifel und trotzdem hat er gearbeitet, gearbeitet und noch mehr gearbeitet. Hut ab vor deiner Leistung und wie du mit deiner Rolle in den letzten drei Jahren umgegangen bist. Dein Engagement und deine Loyalität waren nicht selbstverständlich und haben uns vorangebracht!

Unser Martin hingegen hatte nie einen leichten Stand und wenn man ihn fragen würde, weshalb das so ist, wüsste er keine Antwort darauf. Trotz der ein oder anderen „unglücklichen“ Aktion hat Martin alles richtig gemacht. Es ist nie gut, wenn alle den gleichen Weg wählen, er hat öfters einen Umweg und viel öfter die Abkürzung gewählt –  beides im positiven Sinne. Dass er polarisieren würde war vorherzusehen und er hat dennoch mit ganz starken Spielen das Vertrauen zurückgezahlt und war zur Stelle, als er gebraucht wurde.

Zum Abschluss möchte ich gerne noch „Schlucki“ (Marc)  nennen, der als ehemaliger Zweitligaspieler zunächst einen dicken Rucksack aufgesetzt bekam und dennoch den Alptraum „harzfreies Handball“ mit echter Spielmacherfinesse und unbeschreiblicher Athletik ausmerzte. Profitiert haben sehr viele aber vor allem unsere jungen Spieler. Geradeaus, kompakt und technisch (inklusive seiner Kopfleger auf Brusthöhe) ein Spieler, wie es nicht viele in der Landesliga gibt.

Die ganze SG Rot-Weiss Babenhausen wünscht euch privat und auch sportlich alles erdenklich Gute!

Für die gesamte Handballabteilung der Löwen bricht nun ein neues Kapitel an. Herausforderungen, die noch mehr „Miteinander“ brauchen und – da ich bin mir sicher – bekommen werden. Zusammen als Verein werden wir die Aufgaben lösen. Diese erfolgreiche Spielzeit gilt es zu feiern, zu konservieren und mit Euphorie in die neue Saison mitzunehmen. Wir sollten uns genau daran erinnern, wenn es mal nicht optimal läuft. Wenn WIR uns darauf besinnen, was UNS in der TRIPLE Saison stark gemacht hat, WIR UNS nicht auf dem Erfolg ausruhen, sondern weiter Gas geben. Dann muss UNS nicht Angst und Bange sein gegen große Gegner anzutreten.
Erfolg ist glücklicherweise nicht final und Fehler sind nicht fatal – wir können das ganze „Ding“ also selbstbewusst aber auch locker angehen!

Einen schönen Sommer und schon jetzt ein herzliches Willkommen zur neuen Saison mit neuen Gesichtern gegen neue aber auch bekannte Konkurrenten in der Willy-Willand-Halle – der Höhle der Löwen!

Euer Olli Schulz